FAQ: Alkohol

Häufig gestellte und allgemeine Fragestellungen zu Alkohol:

Wann muss ich mir bezüglich meines Alkoholkonsums Sorgen machen?

Eine Gefährdung liegt dann vor, wenn jemand regelmäßig Alkohol trinkt, um sich zu entspannen, Ängste und Hemmungen abzubauen, Freude zu verstärken, Probleme in den Hintergrund treten zu lassen etc. Je öfter Alkohol scheinbar für Wohlbefinden sorgt und unangenehme Gefühle leichter aushalten lässt, desto weniger gelingt es schwierige Situationen ohne Alkohol zu bewältigen.

Ein kritischer Punkt ist erreicht, wenn man sich ohne Alkohol kaum noch entspannen und wohlfühlen kann. Ernste Warnsignale sind Gedächtnislücken nach durchzechten Nächten, heimliches Trinken Einschlafstörungen und Unruhe, wenn man nichts getrunken hat. Weitere Folgen wie Konflikte in der Familie, nachlassende Leistungsfähigkeit im Beruf, Schuld- und Schamgefühle können hinzukommen.

Laut WHO ist der Alkoholkonsum für die körperliche Gesundheit schädlich, wenn die tägliche Menge von 60 g bei Männern und 40 g bei Frauen überschritten wird. 20 g reiner Alkohol sind etwa in 0,5l Bier, 0,2 l Wein bzw. 6 cl Spirituosen (40%) enthalten. Doch nicht nur mit der Frage nach der Trinkmenge, nach dem „wieviel“, sollte man sich beschäftigen, sondern auch mit der Frage nach dem „wie und warum“, d.h. nach der Art und Weise und dem Grund des Trinkens.


Wann spricht man von Abhängigkeit?

Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich oft schleichend und über Jahre hinweg. Dabei sind die Grenzen zwischen „normalem“ Trinken, missbräuchlichem Trinken und süchtigem Trinken fließend. Als schädlichen Gebrauch oder Alkoholmissbrauch bezeichnet man Alkoholkonsum, der zu körperlichen oder psychischen Schäden für die Gesundheit geführt hat.

Von Alkoholabhängigkeit spricht man dann, wenn:

  • körperliche Entzugserscheinungen auftreten, wenn der Konsum von Alkohol unterbrochen oder reduziert wird.
  • es zu einer Toleranzsteigerung (Gewöhnung) kommt, d.h. wenn man immer mehr trinken muss um den gleichen Effekt zu erzielen.
  • starker Wunsch oder sogar Zwang vorhanden ist, Alkohol zu konsumieren (Craving).
  • man nicht mehr mit dem Trinken aufhören kann, obwohl man es eigentlich will (Kontrollverlust).
  • andere Interessen zugunsten des Alkoholkonsums vernachlässigt werden.
  • weiter getrunken wird obwohl schon körperliche, psychische oder soziale Folgeschäden aufgetreten sind.

 

Darf ich alkoholfreies Bier trinken, ein „Mon Cheri“ essen etc. wenn ich alkoholabhängig bin?

Nach einem Alkoholentzug sollten sich Betroffene die Frage stellen, wie sie mit alkoholhaltigen Lebensmitteln in Zukunft umgehen möchten. Alkohol ist in vielen Lebensmitteln enthalten und wird auch zum Kochen verwendet. Alkoholfreies Bier enthält zwar nur geringste Mengen Alkohol, ist aber im Aussehen, Geruch und Geschmack dem alkoholischen Bier sehr ähnlich.

Der Konsum eines Mon Cheri oder eines alkoholfreien Bieres ist ein Risiko und somit nicht unbedenklich, bedeutet aber nicht automatisch einen Rückfall in altes Trinkverhalten. Es besteht jedoch die Gefahr, wieder “auf den Geschmack zu kommen“, da das Aussehen, der Geruch und der Geschmack das Suchtgedächtnis aktivieren und Alkoholverlangen (Craving) auslösen könnte.

 

Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker?

Sucht entsteht in einem längerfristigen Prozess und somit ist auch der Ausstieg aus der Abhängigkeit ein langer Weg, der meist über Umwege zum Ziel führt.

Die Vorstellung dauerhaft ohne Alkohol zu leben macht vielen Betroffenen Angst. Ein Großteil will wieder zu einem „normalen“ Alkoholkonsum zurück kehren. Oft wird daher nach einer mehr oder weniger langen Abstinenzzeit (die sehr zu empfehlen ist!) die eigene Fähigkeit zur Kontrolle ausgetestet. Dies ist jedoch nicht unbedenklich. Manchen Menschen gelingt es, den Alkoholkonsum für eine gewisse Zeit oder auch dauerhaft zu kontrollieren. Häufig jedoch sind Betroffene dazu nicht in der Lage und es kommt zum Rückfall ins alte Trinkverhalten. Nimmt die Häufigkeit und Menge des Alkoholkonsums zu und werden alte Verhaltensweisen wieder spürbar, dann sollte eine dauerhaft Abstinenz in Betracht gezogen werden.

Für den Umgang mit Alkohol (z.B. nach einem Entzug) gibt es leider kein „Patentrezept“. Früher wurde nach dem „Alles oder Nichts Prinzip“ die Abstinenz oft als einziges Ziel gesehen. In den letzten Jahren jedoch zeichnet sich ein Wandel in der Therapie Alkoholabhängiger ab: Betroffenen sollen vor allem wieder ein freudvolles und selbstbestimmtes Leben führen. Ob Abstinenz oder doch kontrolliertes Trinken die geeignete Wahl ist, ist abhängig von verschieden Faktoren (Grad der Abhängigkeit, Trinktyp, biologischen Faktoren). Die Entscheidung über den weiteren Umgang mit Alkohol muss jeder Betroffene (möglicherweise im Rahmen einer Beratung) für sich treffen und sollte diese regelmäßig reflektieren.

 

Ich lebe seit fast einem Jahr abstinent und habe nun wieder etwas getrunken. Wie soll ich mich verhalten?

Rückfälle gehören zum Ausstiegsprozess dazu. Dies bedeutet nicht, dass man sie verharmlosen sollte, aber man muss mit ihnen rechnen. Deshalb ist es wichtig sich damit auseinander zu setzen und sich darauf vorzubereiten.

Ein 'Ausrutscher' oder auch ein erneuter Konsum von Alkohol über einen begrenzten Zeitraum kann, muss aber nicht automatisch zum alten Trinkniveau zurückführen. Hier sollte Schwarz-Weiß-Denken vermieden werden. Scheuen Sie nicht davor zurück, Hilfe durch eine Beratungsstelle, ein Krankenhaus oder einen Therapeuten in Anspruch zu nehmen.

Ein Rückfall sollte auf keinen Fall bagatellisiert aber auch nicht dramatisiert werden. Lassen Sie sich nicht entmutigen, aber nehmen Sie die Situation auch nicht auf die leichte Schulter. Sinnvoller ist es die gemachten Erfahrungen zu nützen, die Auslösebedingungen zu analysieren und Handlungsalternativen zu üben. Sehen Sie diese schwierige Situation als Chance, um daraus für die Zukunft zu lernen!

 

Ich habe ein Problem mit Alkohol. Welche (Be)-Handlungsmöglichkeiten gibt es für mich?

Der erste Schritt auf dem „Weg hinaus“ heißt sich mit seinem Problem auseinanderzusetzen. Informieren Sie sich und suchen Sie Unterstützung, indem Sie eine Selbsthilfegruppe oder eine Beratungsstelle aufsuchen. In allen b.a.s.

Suchtberatungsstellen gibt es sowohl für Betroffene als auch für Angehörige die Möglichkeit sich telefonisch zu informieren bzw. sich in einem anonymen und kostenlosen Informationsgespräch beraten zu lassen. In diesem Gespräch haben Sie die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Berater/einer Beraterin das Problem zu ergründen sowie weitere Behandlungsschritte zu besprechen.

Die Entscheidung, ob eine ambulante (z.B. in einer Beratungsstelle) oder stationäre Alkoholtherapie indiziert ist, hängt von verschiedenen Faktoren (z.B. der Schweregrad der Abhängigkeit, körperlichen Entzugssymptomen etc.) ab und muss je nach Einzelfall getroffen werden.

Vor und auch nach einem stationären Aufenthalt ist eine ambulante Weiterbetreuung in Form einer Einzel- oder Gruppentherapie oft sinnvoll und notwendig. Die b.a.s-Beratungsstellen bieten hier neben Einzelberatung auch immer wieder Gruppen für Menschen mit Alkoholproblemen an. In der Beratungsstelle Graz findet wöchentlich die Großgruppe für Menschen mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit statt.

 

Mein Mann trinkt so viel, er kommt jeden Tag rauschig heim. Was soll ich tun?

Trauen Sie sich Ihre Beobachtungen und Gefühle ohne Beschönigung anzusprechen. Wählen Sie dazu eine ruhige Gesprächssituation. Gehen Sie von Ihren Gefühlen und Sorgen aus und vermeiden Sie Anschuldigungen. Bleiben Sie dabei sachlich und freundlich. Es geht nicht darum, den anderen zu einem Schuldeingeständnis zu bringen, sondern Hilfe anzubieten, falls diese gewünscht wird. Übernehmen Sie nicht Verantwortung für den/die Abhängige/n, sondern helfen Sie durch „Nicht-Helfen“.

Auch wenn Ihnen klar ist, dass der Alkoholismus Ihres/r Partners/in eine Krankheit ist, müssen Sie sein Verhalten nicht in jedem Fall tolerieren. Setzen Sie sich klare Grenzen und ziehen Sie diese Grenzen gegebenenfalls auch.

Wichtig: Vergessen Sie sich selbst nicht, sondern nehmen Sie sich Zeit für Ihre Interessen und Ihre Hobbys. Stecken Sie sich eigene Ziele unabhängig von Ihrem Partner.

Informieren Sie sich über Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten. In allen b.a.s. Suchtberatungsstellen gibt es auch für Angehörige die Möglichkeit, sich telefonisch zu informieren bzw. zu einem persönlichen Informationsgespräch, das anonym und kostenlos ist.

 

 

b.a.s. Kontakt

Dreihackengasse 1
A-8020 Graz
Österreich

Tel.: 0316 / 821199
Fax: 0316 / 821199-10
E-Mail: office@bas.at

Weitere Fragestellungen:

 

Weitere Informationen zu diesem Thema Beratung finden Sie auf der Unterseite Sucht Infos Alkohol.